Glossar
In diesem Glossar erklären wir die wichtigsten Begriffe rund um Digitaldecoder für die Modelleisenbahn – von den Grundlagen bis zu den technischen Details.
Grundbegriffe
- D&H (Doehler & Haass)
- Die Doehler & Haass Steuerungssysteme GmbH & Co. KG mit Sitz in Pliening bei München entwickelt und vertreibt seit 1975 Komponenten für die digitale Modellbahnsteuerung. Entwicklung und Kundenservice sind in Südhessen beheimatet, die Fertigung erfolgt in Frankfurt am Main. 1982 präsentierte TRIX das von D&H entwickelte SelecTRIX-System, das erste Digitalsystem mit Lastregelung. 1984 folgte der weltweit kleinste Lokdecoder dank eigener ASIC-Entwicklung. D&H ist stimmberechtigtes Mitglied der RailCommunity und Mitglied der NMRA (Hersteller-ID 97). Die Decoder unterstützen SX1, SX2, DCC, MM, ABC und RailCom.
Bekannt ist D&H für die Motorregelung Super-Soft-Drive (SSD)® und bietet kostenfreie Firmware-Updates sowie kostenlose Soundprojekte zum Download an. - Decoder
- Ein kleiner Elektronikbaustein, der das Digitalsignal vom Gleis oder vom Datenbus in konkrete Steuersignale zum Fahren oder Schalten umsetzt – Motor ansteuern, Licht schalten, Weiche stellen, Sound abspielen. Jeder Decoder hat eine eigene Adresse und reagiert nur auf die für ihn bestimmten Befehle.
Wichtige Decoder-Typen: Lokdecoder, Sounddecoder, Funktionsdecoder (Fahrzeug), Funktionsdecoder (stationär). - Datenbus
- Eine separate Leitung zwischen Digitalzentrale und stationären Geräten – unabhängig vom Gleissignal. Am Datenbus hängen zum Beispiel stationäre Funktionsdecoder (für Weichen und Signale), Rückmelder und Belegtmelder. So bleibt der Gleisstrom frei von Schaltbefehlen für Weichen und Signale und wird nur für die Fahrzeugsteuerung genutzt.
D&H verwendet den SX-Bus – einen fünfadrigen Datenbus aus dem SelecTRIX-System, über den Zentralen, Handregler und stationäre Module miteinander kommunizieren. Der SX-Bus ist robust, einfach zu verdrahten und erlaubt bidirektionale Kommunikation. - Lokdecoder (Fahrzeugdecoder)
- Ein Decoder, der den Motor eines Modellbahnfahrzeugs steuert und regelt. Er ermöglicht vorbildgerechtes Anfahren, Bremsen und Fahren mit konstanter Geschwindigkeit unabhängig von der Belastung (Steigung, Kurven). Zusätzlich schaltet er Licht- und Zusatzfunktionen. Bei Doehler & Haass beginnen die Typenbezeichnungen der aktuellen Lokdecoder mit DH oder PD. Decoder mit dem Präfix DHSP besitzen zusätzlich einen integrierten Energiespeicher.
- Sounddecoder (Fahrzeugsounddecoder)
- Ein Lokdecoder mit eingebauter Sounderzeugung. Er steuert den Motor und gibt gleichzeitig originalgetreue Geräusche wieder: Motorlauf, Pfiff, Bremsenquietschen, Ansagen und vieles mehr. Die Geräusche werden in einem Soundprojekt gespeichert und können per Funktion oder automatisch ausgelöst werden. Typenbezeichnungen bei D&H: SD.
- Soundmodul (Fahrzeugsoundmodul)
- Ein Erweiterungsmodul mit eingebauter Sounderzeugung, ohne eigene Motorsteuerung. Es wird über die SUSI-Schnittstelle an einen vorhandenen Lokdecoder angeschlossen und erhält von diesem die Steuerbefehle – zum Beispiel aktuelle Geschwindigkeit, Fahrtrichtung und welche Funktionen aktiv sind. Das Soundmodul setzt diese Befehle in die passenden Geräusche um. Ein Soundmodul ist sinnvoll, wenn bereits ein Lokdecoder vorhanden ist und nachträglich Sound hinzugefügt werden soll. Typenbezeichnungen bei D&H: SH.
- Funktionsdecoder (Fahrzeugfunktionsdecoder)
- Ein Decoder für Fahrzeuge ohne Motor – zum Beispiel beleuchtete Personenwagen, Steuerwagen oder Kranwagen. Er schaltet Licht- und Sonderfunktionen und reagiert auf Fahrtrichtung und Geschwindigkeit des Zuges. Typenbezeichnungen bei D&H: FH.
- Funktionsdecoder (stationär)
- Ein Decoder, der nicht in ein Fahrzeug eingebaut wird, sondern unter der Anlage montiert ist. Er steuert Weichen, Signale, Beleuchtungen und andere stationäre Verbraucher. Nicht zu verwechseln mit dem Fahrzeugfunktionsdecoder.
- Digitalbetrieb / Analogbetrieb
- Analogbetrieb: Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs wird über die Höhe der Spannung am Gleis geregelt – mehr Spannung bedeutet schneller. Alle Fahrzeuge auf demselben Gleisabschnitt fahren gleich schnell. Licht und Funktionen können nicht unabhängig geschaltet werden. Es gibt zwei Varianten:
DC-analog (Gleichspannung): Die Fahrtrichtung wird durch die Polarität am Gleis bestimmt – Umpolen bedeutet Richtungswechsel. Die meisten D&H-Decoder unterstützen DC-analog.
AC-analog (Wechselspannung): Die Fahrtrichtung wird durch einen Überspannungsimpuls (24 Volt und mehr) gewechselt – wie bei klassischen Märklin-Trafos. Achtung: Nur bestimmte Decoder dürfen mit AC-analog betrieben werden – bei nicht geeigneten Decodern kann der Überspannungsimpuls den Decoder zerstören! Bei D&H unterstützen die Typen DH21A/B, DH22A/B und FH22A den AC-Analogbetrieb (siehe technische Daten des jeweiligen Produkts).
Digitalbetrieb: Am Gleis liegt eine konstante Spannung mit eincodierten Datenpaketen. Jedes Fahrzeug hat einen Decoder mit eigener Adresse und reagiert nur auf die für es bestimmten Befehle. Mehrere Fahrzeuge können auf demselben Gleis unabhängig voneinander gesteuert werden. - Adresse (Lokadresse)
- Jeder Decoder hat eine eindeutige Nummer – seine Adresse. Die Digitalzentrale sendet Befehle an diese Adresse, und nur der Decoder mit der passenden Adresse reagiert darauf. So können viele Fahrzeuge auf demselben Gleis unabhängig gesteuert werden. Die Adresse wird bei der Programmierung des Decoders festgelegt.
- CV (Configuration Variable)
- Ein Speicherplatz im Decoder, in dem eine Einstellung gespeichert ist. Jede CV hat eine Nummer und einen Wert. Durch Ändern des Werts in einer bestimmten CV lässt sich das Verhalten des Decoders anpassen – zum Beispiel die Adresse (CV01), die Höchstgeschwindigkeit (CV05) oder die Beschleunigungszeit (CV03).
Der Begriff stammt aus dem DCC-Standard. Bei SX2 heißen die Speicherplätze „Parameter“ (abgekürzt par), funktionieren aber genauso. Achtung: Die Nummern von CVs und Parametern sind nicht identisch! Beispiele: CV01 (Adresse) → par003, CV05 (Höchstgeschwindigkeit) → par013, CV03 (Beschleunigung) → par011, CV04 (Bremszeit) → par012, CV17/18 (lange Adresse) → par001/002. Die vollständige Zuordnung finden Sie in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Decoders.
Tipp: Mit der Soundprojekteditor-Software können Sie alle Einstellungen grafisch am PC vornehmen, ohne CV-Nummern oder Werte nachschlagen zu müssen. - Fahrstufe
- Die Geschwindigkeitsstufe, die die Digitalzentrale an den Decoder sendet. Je höher die Fahrstufe, desto schneller fährt das Modell. Bei DCC sind 14, 28 oder 126 Fahrstufen möglich (126 ist heute Standard). Bei SX1 sind es 31, bei SX2 127 Fahrstufen.
Hinweis: Auch wenn die Zentrale nur 14 oder 28 Fahrstufen sendet, steuert der D&H-Decoder den Motor intern in 127 feinen Abstufungen – die gröberen Stufen der Zentrale werden gleichmäßig auf die feinere Skala verteilt. Dadurch fährt ein D&H-Decoder auch mit einer 14-Fahrstufen-Zentrale genauso weich und gleichmäßig wie mit 126 oder 127 Fahrstufen. - Funktion (F0, F1, F2, ...)
- Eine Funktion ist alles, was der Decoder über seine Adresse hinaus schalten oder auslösen kann – nummeriert von F0 aufwärts. F0 ist meistens das Spitzenlicht, F1–F28 (oder mehr) stehen für weitere Möglichkeiten: Schlusslicht, Pfiff, Führerstandsbeleuchtung, Rangiergang, Abblendlicht und vieles mehr.
Wichtig – drei verwandte Begriffe auseinander halten:- Funktion (F0, F1, F2 …): der nummerierte Eintrag, den der Anwender auslöst. Abstrakt, unabhängig davon, was dabei passiert.
- Funktionstaste: die Taste oder Schaltfläche am Handregler oder auf der Bedienoberfläche der Zentrale, mit der eine Funktion ausgelöst wird.
- Funktionsausgang (LV, LR, AUX1 …): der physische Anschluss am Decoder, an dem z. B. eine LED hängt.
- Funktionstaste
- Die Taste oder Schaltfläche am Handregler oder auf der Bedienoberfläche der Digitalzentrale, mit der eine Funktion (F0, F1, F2 …) ausgelöst wird. Je nach Gerät können das klassische Tasten, Touch-Flächen oder Menüeinträge sein. Welche Funktion eine Taste auslöst, hängt vom jeweiligen Handregler ab – bei vielen Geräten ist die Zuordnung frei konfigurierbar.
- Logische Funktion
- Eine vordefinierte Verhaltensweise, die der Decoder intern ausführt, wenn sie ausgelöst wird – zum Beispiel Rangiergang, AFB aus, Abblendlicht, MAN-Funktion, Dimmen oder Blinken eines Ausgangs. Im Gegensatz zu einem einfachen „Ausgang ein/aus“ bewirkt eine logische Funktion etwas Komplexeres: Der Rangiergang ändert Höchstgeschwindigkeit und Verzögerungszeiten, das Abblendlicht ändert die Helligkeit, AFB aus schaltet die Beschleunigungs- und Bremsrampe aus.
Logische Funktionen werden über das Function Mapping einer Funktion (F-Nummer) zugeordnet und können dann wie jede andere Funktion über eine Funktionstaste geschaltet werden. - Programmierung
- Das Ändern von Einstellungen (CV-Werten) im Decoder. Es gibt verschiedene Verfahren:
Programmiergleis (Service Mode): Der Decoder wird auf einem separaten Gleisabschnitt programmiert, der nicht mit der Anlage verbunden ist. Sicherste Methode, da nur ein einzelner Decoder angesprochen wird.
POM (Programming on the Main): Der Decoder wird direkt auf der Anlage während des Betriebs programmiert – schnell und bequem.
Bei D&H kann die Programmierung auch über den Programmer (ein USB-Gerät) am PC erfolgen. Mit der zugehörigen Soundprojekteditor-Software lassen sich alle Einstellungen grafisch am Bildschirm vornehmen – ohne CV-Nummern oder Werte mühsam nachschlagen zu müssen. - Firmware / Firmware-Update
- Die Software, die im Decoder gespeichert ist und sein Verhalten steuert. Durch ein Firmware-Update kann der Decoder neue Funktionen erhalten oder Fehler behoben werden – ähnlich wie ein Software-Update auf dem Smartphone. Bei D&H ist der Firmware-Download aus dem Internet kostenlos. Für die Durchführung wird die Update-Software (kostenloser Download) und ein Programmer benötigt.
- Anschlussvariante (-0, -1, -2, -3, -4, -5)
- Die Ziffer am Ende einer Produktbezeichnung gibt an, wie der Decoder elektrisch angeschlossen wird:
-0: Ohne Anschlussdrähte (Lötpads zum Selbstanschluss)
-1: Mit Flachbandkabel für NEM 651
-2: Mit Anschlusskabel für NEM 652
-3: Mit Anschlusslitzen (zum freien Verlöten)
-4: Mit Steckverbinder (z.B. PluX, mtc21, NEM 651 Stiftleiste)
-5: Für die 21-polige Schnittstelle nach NEM 660/RCN-121
Nicht alle Varianten existieren für jedes Produkt. - Generation (Gen1, Gen2, Gen3)
- Wenn ein Decoder-Typ überarbeitet wird, erhält die neue Version eine höhere Generationsnummer. Neuere Generationen bieten in der Regel verbesserte technische Daten (z.B. höhere Spannungsfestigkeit, mehr Funktionsausgänge, größere Pufferkapazität) bei gleicher oder geringerer Baugröße. Die Anschlussvarianten und das Digitalformat bleiben kompatibel.
- RailCommunity (VHDM e.V.)
- Der Verband der Hersteller Digitaler Modellbahnprodukte e.V. – ein Zusammenschluss europäischer Hersteller, der technische Normen für digitale Modellbahnsysteme erarbeitet. Die RailCommunity veröffentlicht die RCN-Normen (RailCommunity-Normen), die unter anderem DCC, SUSI und die verschiedenen Decoder-Schnittstellen spezifizieren. D&H ist stimmberechtigtes Mitglied der RailCommunity und gestaltet diese Normen aktiv mit.
Webseite: railcommunity.de - MOROP
- Die europäische Dachorganisation der Modellbahnverbände. Der MOROP veröffentlicht die NEM-Normen (Normen Europäischer Modellbahnen), die unter anderem mechanische Maße, Gleisgeometrie und auch digitale Schnittstellen wie NEM 651, NEM 652 und NEM 660 definieren. In der Praxis werden die NEM-Normen für digitale Technik zunehmend durch die detaillierteren RCN-Normen der RailCommunity ergänzt und konkretisiert.
- NMRA (National Model Railroad Association)
- Der nordamerikanische Modellbahnverband, der die S-Normen (Standards) für DCC herausgibt. Die NMRA hat das DCC-Format ursprünglich standardisiert (S-9.1, S-9.2). Hersteller erhalten von der NMRA eine eindeutige Hersteller-ID – D&H hat die Hersteller-ID 97. D&H ist Mitglied der NMRA.
Digitalformate
- DCC (Digital Command Control)
- Das international am weitesten verbreitete Digitalformat für Modellbahnen. DCC wird in Nordamerika durch die NMRA und in Europa durch die RailCommunity genormt. DCC ermöglicht bis zu 10.239 Adressen, 126 Fahrstufen und bis zu 28 Funktionen. Die meisten heute erhältlichen Decoder und Digitalsysteme unterstützen DCC. Alle D&H-Decoder unterstützen DCC.
- SX1 (SelecTRIX 1)
- Ein älteres, aber zuverlässiges Digitalformat, entwickelt von der Firma Doehler & Haass in den 1980er Jahren unter dem Markennamen SelecTRIX®. SX1 bietet 112 Adressen und 31 Fahrstufen. Ein Vorteil: Nach einer Kontaktstörung erhalten alle Fahrzeuge innerhalb von 80 ms ihre Daten erneut. SX1-Programmierung wird heute durch die komfortablere SX2-Parameterprogrammierung ersetzt.
- SX2 (SelecTRIX 2)
- Die Weiterentwicklung von SX1 mit 10.000 Adressen, 127 Fahrstufen und bis zu 32 Funktionen (sofern Zentrale, Decoder und Handregler/PC-Software dies unterstützen). SX2 ermöglicht POM (Programmierung während des Betriebs). Die Einstellungen des Decoders werden als „Parameter“ (par) bezeichnet. Die par-Nummern entsprechen nicht direkt den CV-Nummern bei DCC – die Zuordnung finden Sie in der Bedienungsanleitung.
- MM (Märklin Motorola)
- Ein von Märklin verwendetes Digitalformat, basierend auf dem Motorola-Protokoll. Es gibt zwei Versionen:
MM1 (auch „altes Datenformat“ genannt): 80 Adressen, 14 Fahrstufen und die Lichtfunktion (F0). Es gibt keine absolute Fahrtrichtung – nur einen Umschaltimpuls (wie früher am analogen Wechselspannungstrafo).
MM2 (auch „neues Datenformat“ genannt): 80 Adressen, 14 Fahrstufen (manche Decoder/Zentralen unterstützen auch 28 Fahrstufen oder 255 Adressen), Licht (F0) und vier Funktionen (F1–F4). Durch Zusatzadressen können weitere Funktionen geschaltet werden: zweite Adresse F5–F8, dritte Adresse F9–F12 usw. MM2 ist abwärtskompatibel – ein MM1-Decoder reagiert auch auf MM2-Fahrdaten, ignoriert aber die zusätzlichen Funktionen.
Der Decoder erkennt automatisch, ob er mit MM1 oder MM2 angesprochen wird – eine manuelle Einstellung ist nicht erforderlich.
D&H-Decoder der DH- und SD-Serie unterstützen MM. Die PD-Serie (preisgünstigere Decoder) unterstützt MM nicht. - Multiprotokoll
- Die Fähigkeit eines Decoders, mehrere Digitalformate (DCC, SX1, SX2, MM) zu verstehen. Bei D&H-Decodern bestimmt die Art der letzten Programmierung, welches Format der Decoder verwendet:
- Nach einer SX1-Programmierung: Der Decoder arbeitet im SX1-Betrieb.
- Nach einer SX2-Programmierung: Der Decoder arbeitet im SX1- oder SX2-Betrieb.
- Nach einer DCC-Programmierung: Der Decoder arbeitet im DCC- oder MM-Betrieb.
- POM (Programming on the Main)
- Programmierung während des Betriebs – der Decoder kann direkt auf der Anlage umprogrammiert werden, ohne das Fahrzeug auf ein separates Programmiergleis stellen zu müssen. POM ist bei DCC und SX2 möglich. Vorteil: Das Ergebnis einer Änderung (z.B. Geschwindigkeit, Lichtverhalten) ist sofort sichtbar.
Schnittstellen und Stecker
Die Schnittstelle bestimmt, wie der Decoder mechanisch und elektrisch mit dem Fahrzeug verbunden wird. Es gibt genormte Schnittstellen, die von verschiedenen Normungsgremien definiert werden: MOROP (NEM-Nummern), RailCommunity/VHDM (RCN-Nummern) und NMRA (S-Nummern).
- NEM 651 – 6-polige Schnittstelle
MOROP: NEM 651 | NMRA: S-9.1.1 - Die kleinste genormte Decoder-Schnittstelle mit 6 Kontakten. Entwickelt für die Spurweiten N und TT, wo wenig Platz vorhanden ist. Der Decoder wird über ein kurzes Flachbandkabel oder eine Stiftleiste direkt auf die Fahrzeugplatine gesteckt. Die 6 Anschlüsse sind: 2× Gleis, 2× Motor, 2× Licht (vorne/hinten). Es gibt keinen gemeinsamen Rückleiter und keine Zusatzausgänge.
Bei D&H: Anschlussvariante -1 (Flachbandkabel, z.B. DH10C-1, PD05A-1) oder -4 (Stiftleiste auf dem Decoder, z.B. DH10C-4, PD05A-4). - NEM 652 – 8-polige Schnittstelle
MOROP: NEM 652 | NMRA: S-9.1.1 - Die früher am weitesten verbreitete Decoder-Schnittstelle mit 8 Kontakten, heute weitgehend durch modernere Schnittstellen abgelöst. Hauptsächlich in H0-Fahrzeugen zu finden. Der Decoder wird über ein mehrfarbiges Kabel mit einem 8-poligen Stecker an die Fahrzeugplatine angeschlossen. Die 8 Anschlüsse sind: 2× Gleis, 2× Motor, 2× Licht (vorne/hinten), 1× Zusatzausgang (AUX1), 1× gemeinsamer Rückleiter.
Bei D&H: Anschlussvariante -2 (z.B. DH16A-2, DH22B-2, SD16A-2). - PluX16 / PluX22 – Steckschnittstellen
MOROP: NEM 658 | RailCommunity: RCN-122 | NMRA: S-9.1.1.4 - Eine Familie von Steckschnittstellen mit 16 oder 22 Kontaktstiften. Der Decoder wird direkt in eine Buchse auf der Fahrzeugplatine gesteckt – kein Löten, kein Kabel. Je mehr Kontakte, desto mehr Funktionsausgänge stehen zur Verfügung.
PluX16 wird meistens in H0-Fahrzeugen eingesetzt, selten auch in N oder TT. PluX22 bietet die meisten Ausgänge und wird für größere H0-Lokomotiven mit vielen Licht- und Sonderfunktionen verwendet. Beide Varianten besitzen einen direkten Kondensatoranschluss für einen Energiespeicher.
Hinweis: PluX8 ist als Norm zurückgezogen. PluX12 wurde früher oft in TT-Fahrzeugen eingesetzt, ist aber für Neuentwicklungen nicht mehr vorgesehen.
Bei D&H: Anschlussvariante -4 (z.B. DH16A-4 = PluX16, DH22B-4 = PluX22). - Next18 – 18-polige Steckschnittstelle
MOROP: NEM 662 | RailCommunity: RCN-118 | NMRA: S-9.1.1.5 - Eine kompakte Steckschnittstelle mit 18 Kontakten, speziell für kleine Spurweiten (N, TT) und enge Einbauverhältnisse entwickelt. Der Decoder wird in eine Buchse auf der Fahrzeugplatine gesteckt. Trotz der geringen Größe bietet Next18 viele Funktionsausgänge und einen Anschluss für Lautsprecher.
Bei D&H: Produkte mit eigenem Next18-Stecker tragen die Bezeichnung ohne Anschlussvarianten-Suffix (z.B. DH18A, SD18A, FH18A, PD18A). - 21-polige Schnittstelle (mtc21 / NEM 660 / RCN-121)
MOROP: NEM 660 | RailCommunity: RCN-121 | NMRA: S-9.1.1.3 - Eine große Steckschnittstelle mit 21 Kontaktstiften für H0-Lokomotiven mit vielen Funktionen. Achtung: Es gibt zwei verschiedene Pinbelegungen!
mtc21 (Märklin/TRIX): Die originale Belegung von Märklin. Bei D&H z. B. PD21A-4, DH21B-4, SD21A-4.
NEM 660 / RCN-121: Die genormte Belegung nach MOROP/RailCommunity, die sich in einigen Pins von mtc21 unterscheidet. Bei D&H z. B. DH21B-5, SD21A-5.
Bitte prüfen Sie vor dem Kauf, welche Belegung Ihr Fahrzeug verwendet! - mTc14 – 14-polige Schnittstelle
RailCommunity: RCN-114 - Eine Steckschnittstelle mit 14 Kontakten. Wird insbesondere bei Minitrix-Lokomotiven (Spur N) verbaut.
Bei D&H: z.B. DH14B. - E24 – 24-polige Schnittstelle
MOROP: NEM 664 | RailCommunity: RCN-124 - Eine neuere Steckschnittstelle mit 24 Kontakten für Decoder mit besonders vielen Funktionsausgängen und direktem Kondensatoranschluss. Geeignet für die Spurweiten N und TT. Bei D&H: der Decoder DH24A.
- SUSI (Serial User Standard Interface)
- Eine serielle Schnittstelle zur Verbindung eines Lokdecoders mit externen Modulen – vor allem Soundmodulen und Energiespeichern. SUSI wurde ursprünglich von der Firma Dietz entwickelt und wird heute von der RailCommunity aktiv weiterentwickelt. D&H war einer der ersten Decoderhersteller, der diese Schnittstelle in seine Decoder integriert hat. Der Lokdecoder übergibt über SUSI die aktuellen Fahrdaten (Geschwindigkeit, Richtung, aktive Funktionen) an das angeschlossene Modul.
Bei einigen D&H-Decodern kann die SUSI-Schnittstelle deaktiviert werden, um stattdessen die SUSI-Pins als unverstärkte Funktionsausgänge zu nutzen. Je nach Decoder sind das AUX3/AUX4, AUX5/AUX6 oder AUX11/AUX12 – die genaue Zuordnung entnehmen Sie bitte der jeweiligen Produktseite. - Lötpads
- Kleine, metallisierte Flächen auf der Oberfläche des Decoders, an die Anschlussdrähte angelötet werden können. Die Anschlussvariante -0 besitzt nur Lötpads und keine Kabel oder Stecker – hier muss der Anwender die Verbindungen selbst herstellen. Lötpads bieten maximale Flexibilität beim Einbau.
Funktionsausgänge
- LV / LR (Licht vorne / Licht hinten)
- Die beiden Hauptlichtausgänge des Decoders. LV schaltet das weiße Spitzenlicht in Fahrtrichtung vorwärts, LR das weiße Spitzenlicht in Fahrtrichtung rückwärts. Im Auslieferungszustand wechseln sie automatisch mit der Fahrtrichtung und werden über die Funktion F0 (Licht) geschaltet. Wie alle Ausgänge können LV und LR über das Function Mapping frei einer anderen Funktion zugeordnet werden.
- AUX1 bis AUX8 (Zusatzausgänge)
- Zusätzliche Ausgänge des Decoders zum Schalten von Licht, Rauchgeneratoren, Kupplungen oder anderen Funktionen. Je nach Decodertyp stehen bis zu 8 Zusatzausgänge zur Verfügung. Die Ausgänge können verstärkt (mit Leistungsendstufe, z.B. 300 mA oder 1,0 A) oder unverstärkt (nur Logikpegel, benötigt externe Transistoren) ausgeführt sein. Welcher AUX welche Funktion hat, wird über das Function Mapping festgelegt.
- Verstärkt / Unverstärkt
- Verstärkt: Der Funktionsausgang kann direkt eine LED, Glühlampe oder einen kleinen Motor ansteuern (typisch 150 mA bis 1,0 A).
Unverstärkt: Der Ausgang liefert nur ein schwaches Steuersignal (Logikpegel). Um damit eine LED oder Lampe zu schalten, wird ein externer Transistor benötigt. - Dimmbar
- Ein dimmbarer Funktionsausgang kann nicht nur ein- und ausgeschaltet, sondern in seiner Helligkeit stufenlos eingestellt werden. Dies ermöglicht zum Beispiel ein vorbildgerechtes Abdimmen der Innenbeleuchtung oder ein sanftes Ein-/Ausblenden des Lichts. Die Helligkeits-Einstellung erfolgt über CV-Werte.
- Function Mapping (Funktionszuordnung)
- Die Zuordnung, welche Funktion (F0, F1, F2, ...) welchen Funktionsausgang (LV, LR, AUX1, ...) schaltet oder welche logische Funktion auslöst. Im Auslieferungszustand ist eine Standard-Zuordnung eingestellt (z.B. F0 = Licht, F1 = AUX1). Diese Zuordnung kann über CV-Werte frei verändert werden – so kann zum Beispiel F3 statt AUX3 den Rangiergang schalten.
- Rangiergang
- Eine logische Funktion, die bei D&H-Decodern zwei Dinge gleichzeitig ändert:
- Die Höchstgeschwindigkeit wird durch einen eigenen Wert ersetzt (analog zu CV05) – für feinfühliges Rangieren mit niedriger Höchstgeschwindigkeit. Der Wert kann aber auch über der normalen Höchstgeschwindigkeit liegen, falls gewünscht.
- Die Verzögerungszeiten der AFB werden durch einen eigenen Wert ersetzt (analog zu CV03/CV04), damit der Decoder spontaner auf den Fahrregler reagiert.
Abgrenzung zu AFB aus: AFB aus verändert nur die Verzögerungszeiten, nicht die Höchstgeschwindigkeit. - AFB aus (Abschaltung der AFB)
- Eine logische Funktion, die die AFB vorübergehend deaktiviert. Solange AFB aus aktiv ist, verhält sich der Decoder so, als wären CV03 (Beschleunigung) und CV04 (Bremszeit) auf den kleinsten Wert eingestellt – das Fahrzeug erreicht die vorgegebene Fahrstufe praktisch sofort. Die Höchstgeschwindigkeit (CV05) bleibt unverändert.
Abgrenzung zum Rangiergang: Der Rangiergang ändert sowohl Verzögerungszeiten als auch Höchstgeschwindigkeit; AFB aus lässt die Höchstgeschwindigkeit in Ruhe. - Abblendlicht
- Eine logische Funktion, die die Helligkeit des Spitzenlichts verändert – ähnlich dem Abblendlicht beim Auto. Wird beim Vorbild im Bahnhofsbereich oder bei Begegnungsverkehr verwendet. Standardmäßig auf F8. Die Helligkeit ist bei D&H-Decodern frei per CV einstellbar – sie kann sowohl niedriger als auch höher als die normale Lichthelligkeit sein.
Motorregelung
- Super-Soft-Drive (SSD)
- Das von Doehler & Haass entwickelte und als Warenzeichen geschützte Motoransteuerungs- und Regelungsverfahren. Es bildet eine untrennbare Einheit aus Motoransteuerung und Lastregelung und sorgt für besonders feines, ruckelfreies Fahrverhalten.
In den meisten D&H-Decodern ist SSD in einem speziellen Baustein (ASIC) realisiert. In neueren Decodern kann SSD auch direkt im Mikrocontroller implementiert sein – diese Decoder besitzen dann keinen separaten ASIC. - Lastregelung (Motorregelung)
- Die automatische Geschwindigkeitsregelung des Motors. Der Decoder misst ständig die tatsächliche Drehzahl des Motors (per Gegen-EMK) und passt die Leistung an, damit das Fahrzeug auch bei Steigungen, in Kurven oder mit schweren Anhängelasten konstant schnell fährt. Bei D&H-Decodern kann die Lastregelung nicht ausgeschaltet werden – sie ist integraler Bestandteil von Super-Soft-Drive.
- Gegen-EMK (Gegenelektromotorische Kraft)
- Wenn ein Elektromotor dreht, erzeugt er gleichzeitig eine Spannung – die Gegen-EMK. Je schneller der Motor dreht, desto höher ist diese Spannung. Der Decoder nutzt diesen Effekt, um die aktuelle Geschwindigkeit des Motors zu messen, ohne einen zusätzlichen Sensor zu benötigen. Dazu schaltet er den Motorstrom kurz ab und misst die vom Motor erzeugte Spannung.
- PWM (Pulsweitenmodulation)
- Ein Verfahren zur Steuerung der Motorleistung. Statt die Spannung am Motor zu verändern, wird die volle Spannung in schneller Folge ein- und ausgeschaltet. Je länger die „Ein“-Phase im Verhältnis zur „Aus“-Phase dauert (= Tastgrad), desto mehr Leistung erhält der Motor. Dies geschieht so schnell (16 oder 32 kHz), dass der Motor die einzelnen Impulse nicht als Ruckeln wahrnimmt.
- Tastgrad
- Das Verhältnis zwischen „Ein“-Phase und Gesamtdauer eines PWM-Zyklus, meist in Prozent angegeben. Ein Tastgrad von 0 % bedeutet Motor aus, 100 % bedeutet volle Leistung. Der Tastgrad ist die eigentliche Stellgröße der D&H-Motorregelung: Dreht der Motor zu langsam, wird der Tastgrad erhöht; dreht er zu schnell, wird er verkleinert.
- Motorfrequenz
- Die Frequenz, mit der die PWM den Motor schaltet. D&H-Decoder der DH-Serie erlauben die Wahl zwischen 32 kHz (Standard, unhörbar), 16 kHz (für junge Menschen hörbar, aber geringere Verlustleistung in der Motorbrücke) und niederfrequent (für sehr alte Motoren). Eingestellt in CV09 (par054). Bei der DHP-Serie liegt die Motorfrequenz fest bei 32 kHz; die DHL-Serie erlaubt keine Konfiguration der Motorregelung.
- Motorbrücke (H-Brücke)
- Der Leistungsteil des Decoders, der den Motor mit Strom versorgt. Die Motorbrücke besteht aus vier Transistoren in H-Anordnung, die den Motor in beide Richtungen drehen lassen können und mit der PWM takten. Je höher die Motorfrequenz, desto mehr Schaltvorgänge und desto größer die Verlustleistung in der Brücke – der Decoder wird wärmer. Der maximale Motorstrom, den die Brücke liefern kann, steht in den technischen Daten.
- Kennlinie
- Der Zusammenhang zwischen Fahrstufe und Geschwindigkeit. Bei einer linearen Kennlinie ist der Geschwindigkeitszuwachs pro Fahrstufe immer gleich. Bei einer gekrümmten Kennlinie sind die unteren Fahrstufen feiner aufgelöst (mehr Kontrolle bei niedrigen Geschwindigkeiten). D&H-Decoder bieten 8 voreingestellte Kennlinien (CV48, Werte 0–7).
- Automatische Fahr- und Bremssteuerung (AFB)
- Die AFB sorgt dafür, dass der Decoder bei einer Änderung der Fahrstufe die neue Geschwindigkeit nicht schlagartig, sondern sanft über eine einstellbare Zeitspanne erreicht. Dadurch wirkt das Fahrverhalten vorbildgerecht: Die Lok beschleunigt und bremst wie eine echte Maschine mit Trägheit – unabhängig davon, wie schnell der Fahrregler bedient wird.
Zwei Werte steuern die AFB:- CV03 (par011) – Beschleunigungszeit: wie lange der Decoder für das Hochfahren von Stillstand auf Höchstgeschwindigkeit benötigt.
- CV04 (par012) – Bremszeit: wie lange der Decoder für das Herunterbremsen bis zum Stillstand benötigt.
- Glockenankermotor
- Ein besonders hochwertiger, sehr leise laufender Modellbahnmotor mit geringer Massenträgheit und sehr geringer Polfühligkeit. Er ermöglicht extrem feines Fahren, reagiert aber empfindlicher auf die Einstellungen der Motorregelung. Für Glockenankermotoren empfiehlt D&H eine angepasste Regelvariante.
- Polfühligkeit
- Die Tendenz eines Motors, beim langsamen Drehen stufenweise zu laufen, weil die Ankerwicklungen nacheinander von den Polen des Dauermagneten angezogen werden. Bei einfachen Motoren (mit wenigen Polen, oft in günstigen Modellen) ist die Polfühligkeit stark ausgeprägt – die Lok „rastet“ beim Anfahren hörbar und sichtbar. Hochwertige Motoren (z. B. Glockenankermotoren) zeigen diesen Effekt kaum. Bei stark polfühligen Motoren muss die Messzeit der Motorregelung entsprechend länger gewählt werden, damit die Regelung nicht auf die Polsprünge reagiert.
- Regelvariante
- Eine voreingestellte Kombination von Regelparametern, die für einen bestimmten Motortyp optimiert ist. D&H-Decoder bieten drei Regelvarianten (1–3) plus eine frei konfigurierbare Variante (0). Variante 2 ist für die meisten Motoren ein guter Ausgangspunkt. Eingestellt wird die Regelvariante in CV50 (par052).
- Regelparameter
- Die vier Werte, mit denen sich das Verhalten der D&H-Motorregelung im Detail einstellen lässt:
- Impulsbreite (CV59 / par059)
- Messzeit (CV58 / par058)
- Proportionalteil (CV56 / par056)
- Integrationskonstante (CV57 / par057)
- Impulsbreite
- Die Dauer eines einzelnen Motorimpulses in der D&H-Motorregelung. Einstellbar in CV59 (par059) in acht Stufen von 250 µs bis 32 ms. Faustregel: Je größer der Motor, desto größer die Impulsbreite. Für kleine Motoren (N, Z) sind kurze Impulse besser, für große H0-Motoren längere.
- Messzeit
- Das Zeitfenster, in dem der Decoder nach jedem Motorimpuls die Gegen-EMK misst, um die tatsächliche Drehzahl zu ermitteln. Einstellbar in CV58 (par058) in vier Stufen. Faustregel: Bei hochwertigen Motoren (Glockenanker) kann die Messzeit kurz sein; bei stark polfühligen Motoren muss sie länger gewählt werden, damit die Regelung nicht auf Polsprünge reagiert.
- Proportionalteil
- Einer der vier Regelparameter der D&H-Motorregelung. Er bestimmt, wie kräftig die Regelung auf eine Abweichung der Drehzahl reagiert. Einstellbar in CV56 (par056), Werte 0–7. Faustregel: Ein größerer Proportionalteil führt zu einer strafferen Regelung, kann aber ein hörbares Fahrgeräusch verursachen.
- Integrationskonstante
- Einer der vier Regelparameter der D&H-Motorregelung. Sie bestimmt, wie stark der Tastgrad pro Regelzyklus angepasst wird. Einstellbar in CV57 (par057), Werte 0–3. Faustregel: Je größer die Integrationskonstante, desto weicher die Regelung – das Anfahren wird sanfter und weniger ruckartig.
Bremsen
- Bremsabschnitt / Bremsstrecke
- Ein Gleisabschnitt, in dem Fahrzeuge automatisch abbremsen und anhalten – zum Beispiel vor einem roten Signal. Der Decoder erkennt den Bremsabschnitt durch ein verändertes Gleissignal und leitet eigenständig eine Bremsung ein. Es gibt verschiedene Verfahren:
- Asymmetrische Digitalspannung / ABC – ohne Kurzschlussgefahr
- HLU (Halt/Langsam/Ultralangsam, ZIMO) – ohne Kurzschlussgefahr
- SX-Bremsdiode – ohne Kurzschlussgefahr
- Bremsgenerator (DCC) – mit Kurzschlussgefahr!
- Bremsen mit Gleichspannung / Brake-on-DC – mit Kurzschlussgefahr!
- Asymmetrische Digitalspannung
- Ein Bremsverfahren, bei dem die Gleissignal-Spannung in einer Richtung etwas niedriger ist als in der anderen. Der Decoder erkennt diese Asymmetrie und bremst das Fahrzeug ab. Zum Erzeugen der Asymmetrie werden Dioden in den Gleisanschluss geschaltet (4 Siliziumdioden + 1 Schottkydiode) oder das Bremsmodul von D&H verwendet. Dieses Verfahren ist auch unter dem Namen ABC bekannt.
- ABC (Automatic Braking Control)
- Ein Bremsverfahren auf Basis der asymmetrischen Digitalspannung, ursprünglich von der schweizerischen Firma UMELEC entwickelt. Durch die Firma Lenz wurde es populär gemacht und um die Langsamfahrt-Funktion erweitert. D&H-Decoder mit dem Vermerk „ABC-tauglich“ unterstützen dieses Verfahren.
Vorteile von ABC: Da das Gleissignal im Bremsabschnitt weiterhin digital bleibt (nur asymmetrisch), kann das Fahrzeug vom roten Signal rückwärts wegfahren, alle Funktionen (Sound, Licht usw.) bleiben schaltbar, und durch Aktivierung des Rangiergangs oder der MAN-Taste kann das Fahrzeug das rote Signal überfahren. - MAN-Taste (Manuell)
- Eine logische Funktion, die das automatische Bremsen im Bremsabschnitt vorübergehend außer Kraft setzt. Solange die MAN-Taste aktiviert ist, fährt das Fahrzeug über das rote Signal hinweg – nützlich zum Beispiel bei Störungen. Im Gegensatz zum Rangiergang, der ebenfalls das Bremsen außer Kraft setzt, verändert MAN die Geschwindigkeit nicht.
Die MAN-Funktion wurde ursprünglich von der österreichischen Firma ZIMO eingeführt und wird von D&H-Decodern ebenfalls unterstützt. - SX-Bremsdiode
- Ein Bremsverfahren speziell für den SX-Betrieb. Dabei wird eine einzelne Diode (Silizium- oder Schottkydiode) in Reihe zum Gleisanschluss im Bremsabschnitt geschaltet. Die Diode unterdrückt eine Hälfte des Gleissignals, wodurch der Decoder das Bremsen erkennt. Im Gegensatz zur Asymmetrie-Bremsstrecke (5 Dioden) wird hier nur eine einzige Diode benötigt.
- Bremsgenerator (DCC)
- Ein stationäres Gerät, das im Bremsabschnitt das Gleissignal der Zentrale überschreibt und stattdessen ein eigenes DCC-Signal mit Fahrstufe 0 (Halt) aussendet. Jeder DCC-fähige Decoder bremst daraufhin – der Decoder muss dafür kein spezielles Bremsverfahren beherrschen. Manche Bremsgeneratoren können auch gezielt eine bestimmte Fahrstufe senden (z.B. für Langsamfahrt).
Nachteil: Da im Bremsabschnitt ein anderes Digitalsignal anliegt als auf dem Rest der Anlage, besteht an der Trennstelle Kurzschlussgefahr, wenn ein Fahrzeug mit seinen Rädern beide Abschnitte gleichzeitig überbrückt. Diese Kurzschlüsse sind in der Regel kurzzeitig, können aber bei empfindlichen Zentralen zur Abschaltung führen. Außerdem können im Halteabschnitt keine Funktionen (Sound, Licht) mehr über die eigene Zentrale geschaltet werden, da deren Signal dort nicht mehr ankommt. - HLU (Halt / Langsam / Ultralangsam)
- Ein von der österreichischen Firma ZIMO entwickeltes Bremsverfahren. Im Gegensatz zu ABC arbeitet HLU nicht mit asymmetrischer Spannung, sondern mit einem eigenen Protokoll: Ein spezielles ZIMO-Gleisabschnittsmodul (z. B. MX9 oder StEin) verändert das DCC-Signal in den Halteabschnitten gezielt, sodass der Decoder zwischen den Stufen Halt, Langsam und Ultralangsam unterscheiden kann. Die konkrete Geschwindigkeit für jede Stufe ist im Decoder einstellbar. Bis heute werden fünf Geschwindigkeitsstufen plus Halt und Nothalt genutzt.
Da das Gleissignal digital bleibt, besteht keine Kurzschlussgefahr, und Funktionen bleiben im Halteabschnitt schaltbar. D&H-Sounddecoder unterstützen HLU. - Bremsen mit Gleichspannung (Brake-on-DC)
- Ein Bremsverfahren, bei dem im Bremsabschnitt statt des Digitalsignals eine Gleichspannung am Gleis anliegt. Der Decoder erkennt den Wechsel von Digital- auf Gleichspannung und leitet eine Bremsung ein.
Nachteil: Wie beim Bremsgenerator besteht an der Trennstelle zwischen Digitalabschnitt und Gleichspannungsabschnitt Kurzschlussgefahr, wenn ein Fahrzeug beide Abschnitte gleichzeitig überbrückt. - Bremsrampe (konstanter Bremsweg)
- Eine Funktion, bei der das Fahrzeug unabhängig von seiner aktuellen Geschwindigkeit immer an derselben Stelle zum Stehen kommt. Der Decoder berechnet für jede Fahrstufe automatisch die passende Verzögerung. Der Bremsweg wird einmalig bei Höchstgeschwindigkeit eingestellt (CV154).
- Langsamfahrt
- Eine Funktion, bei der das Fahrzeug in einem bestimmten Gleisabschnitt automatisch auf eine reduzierte Geschwindigkeit abbremst, aber nicht anhält – zum Beispiel bei Weichen in abzweigender Lage (Signalbegriff Hp 2). Langsamfahrt ist mit ABC, HLU oder einem Bremsgenerator möglich.
- Bremsmodul
- Ein stationäres Gerät von D&H, das die asymmetrische Digitalspannung für bis zu 8 unabhängige Gleisabschnitte erzeugt – ohne dass Dioden von Hand verdrahtet werden müssen. Jeder Abschnitt kann einzeln auf Bremsen oder Langsamfahrt eingestellt werden.
Kommunikation und Rückmeldung
- Loknummernrückmeldung (SX1)
- Ein von Doehler & Haass erfundenes und ehemals patentiertes Verfahren, bei dem der Decoder seine Adresse über das Gleis an einen Rückmelder zurücksendet. So kann die Steuerungssoftware am PC erkennen, welches Fahrzeug sich in welchem Gleisabschnitt befindet – nicht nur ob ein Abschnitt belegt ist.
Das Grundprinzip – der Decoder sendet während einer kurzen Unterbrechung im Gleissignal Daten zurück – bildet die technologische Grundlage für das später von Lenz für DCC entwickelte RailCom-Verfahren. - RailCom® (BiDi, bidirektionale Kommunikation)
- Ein von der Firma Lenz Elektronik für DCC entwickeltes Verfahren, bei dem der Decoder Informationen an die Digitalzentrale zurücksenden kann – normalerweise kann ein Decoder nur empfangen. Dadurch kann die Zentrale zum Beispiel die aktuelle Adresse des Decoders, seine Geschwindigkeit oder den Status einer Programmierung auslesen. Voraussetzung: Ein Cutout im Gleissignal.
Die zugrundeliegende Technologie – Rückmeldung des Decoders während einer Signalunterbrechung – wurde ursprünglich von Doehler & Haass als Loknummernrückmeldung für das SX1-Format erfunden.
RailCom® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Lenz Elektronik. In der D&H-Produkttabelle als „BiDi-tauglich“ gekennzeichnet. - Rückmelder (Belegtmelder)
- Ein stationäres Gerät, das erkennt, ob sich ein Fahrzeug in einem bestimmten Gleisabschnitt befindet. Ein einfacher Belegtmelder erkennt nur „belegt“ oder „frei“. Ein Rückmelder mit Loknummernrückmeldung (SX1) oder RailCom (DCC) kann zusätzlich melden, welches Fahrzeug den Abschnitt belegt. Unverzichtbar für PC-gesteuerte Anlagen.
- Cutout
- Eine kurze Unterbrechung (ca. 500 µs) im DCC-Gleissignal, während der der Decoder seine RailCom-Rückmeldung senden kann. Das Digitalsystem muss den Cutout unterstützen, damit RailCom funktioniert. Während des Cutouts liegt keine Spannung am Gleis – deshalb reduziert sich die effektiv verfügbare Leistung um ca. 10%.
Elektrotechnik-Grundlagen
- Volt (V) – Spannung
- Die Maßeinheit für elektrische Spannung – vergleichbar mit dem Wasserdruck in einer Leitung. In den technischen Daten der Decoder finden Sie:
Max. Fahrspannung: Die höchste Spannung, die am Gleis anliegen darf (typisch 30 V, bei einigen kleinen Decodern 18 V).
Empfohlene Gleisspannung: 12–14 V für Spur Z, 14–18 V für Spur N/TT/H0. - Ampere (A) – Stromstärke
- Die Maßeinheit für elektrischen Strom – vergleichbar mit der Wassermenge, die durch eine Leitung fließt. In den technischen Daten:
Gesamtbelastbarkeit: Der maximale Strom, den der Decoder insgesamt liefern kann (Motor + alle Ausgänge zusammen).
Max. Motorstrom: Der maximale Strom für den Motor allein.
Kleinere Werte (z.B. 150 mA, 300 mA) bezeichnen den maximalen Strom einzelner Funktionsausgänge. 1 A = 1000 mA. - Ohm (Ω) – Widerstand / Impedanz
- Die Maßeinheit für elektrischen Widerstand. Bei Lautsprechern wird die Impedanz in Ohm angegeben (typisch 4, 6 oder 8 Ohm). Lautsprecher und Decoder müssen zusammenpassen – je niedriger die Impedanz, desto mehr Strom fließt und desto lauter ist der Sound, aber der Decoder wird auch stärker belastet.
- Diode / Schottkydiode
- Eine Diode lässt Strom nur in eine Richtung durch. Sie wird unter anderem für Bremsabschnitte benötigt.
Siliziumdiode: Die gängigste Bauform. Hat einen verhältnismäßig hohen Spannungsabfall (~0,7 V). Wird für die Asymmetrie-Bremsstrecke verwendet (4 Stück in Reihe).
Schottkydiode: Eine besonders schnelle Diode mit niedrigem Spannungsabfall (~0,3 V). Wird als Antiparalleldiode in der Asymmetrie-Bremsstrecke und als Einzeldiode für die SX-Bremsstrecke eingesetzt. - Kondensator / Puffer / Energiespeicher
- Ein elektronisches Bauteil, das elektrische Energie kurzfristig speichern kann. In der Modellbahn dient ein Pufferkondensator (oder ein Energiespeicher wie der D&H SP05A) dazu, kurze Kontaktunterbrechungen am Gleis zu überbrücken – das Fahrzeug fährt auch über verschmutzte Gleise oder Weichenherzen ohne Aussetzer weiter, und der Sound spielt unterbrechungsfrei. Je größer die Kapazität (gemessen in µF oder F), desto länger hält der Puffer.
Achtung: Im DCC-Bereich werden Energiespeicher manchmal als „Power-Pack“ bezeichnet – nicht verwechseln mit dem D&H Power-Pack (Booster)! - Booster (Power-Pack)
- Ein Leistungsverstärker, der die Digitalzentrale ergänzt. Er liefert zusätzlichen Fahrstrom für größere Anlagen, auf denen viele Fahrzeuge gleichzeitig fahren. Die Zentrale stellt das Gleissignal bereit, der Booster verstärkt es auf den nötigen Strom (z.B. 4 A beim D&H Power-Pack). Im SX-Bereich wird der Booster auch als „Power-Pack“ bezeichnet.
Achtung: Im DCC-Bereich bezeichnet „Power-Pack“ oft einen Energiespeicher (Pufferkondensator) – das ist etwas völlig anderes!
Sound
- Soundprojekt
- Ein Datensatz, der alle Geräusche und deren Zuordnung zu Fahrzuständen und Funktionen enthält – zum Beispiel Motorgeräusch, Pfiff, Bremsenquietschen, Ansagen. Das Soundprojekt wird über den D&H Programmer in den Sounddecoder oder das Soundmodul geladen. Für jede Lok-Baureihe gibt es ein eigenes Soundprojekt mit den originalen Geräuschen des Vorbilds. Die Soundprojekte stehen kostenlos zum Download bereit.
- Abtastrate
- Gibt an, wie oft pro Sekunde ein Geräusch beim Aufnehmen abgetastet wird. D&H-Sounddecoder verwenden 22 kHz (= 22.000 Abtastungen pro Sekunde). Je höher die Abtastrate, desto besser die Klangqualität – 22 kHz liefert gute Qualität bei geringem Speicherbedarf. Siehe auch Auflösung.
- Auflösung (Bit-Tiefe)
- Gibt an, wie fein die Lautstärke eines Klangs bei der Aufnahme abgestuft wird. D&H-Sounddecoder verwenden 16 Bit – das entspricht 65.536 Lautstärkestufen und liefert eine Klangqualität vergleichbar mit einer Audio-CD. Doehler & Haass war der erste Anbieter im deutschsprachigen Raum, der 16-Bit-Sound serienmäßig in Modellbahn-Sounddecodern angeboten hat. Zusammen mit der Abtastrate bestimmt die Auflösung die Gesamtqualität des Sounds.
- Soundkanal
- Ein Soundkanal kann ein Geräusch gleichzeitig und unabhängig von anderen Kanälen wiedergeben. D&H-Sounddecoder besitzen 8 Kanäle – das bedeutet, es können bis zu 8 verschiedene Geräusche gleichzeitig erklingen (z.B. Motorgeräusch + Pfiff + Bremsen + Ansage).
- Lautsprecher / Schallbox
- Der Lautsprecher wandelt das elektrische Signal des Sounddecoders in hörbaren Schall um. Die Größe und Impedanz (Ohm) müssen zum Decoder und zum verfügbaren Einbauplatz passen.
Eine Schallbox ist ein kleines Gehäuse, das den Lautsprecher umschließt und den Klang verbessert – ähnlich dem Gehäuse einer Lautsprecherbox bei einer Stereoanlage. Bei manchen Lautsprechern (z.B. LS1412/LS1412S) ist keine Schallbox erforderlich.
Hardware-Begriffe
- ASIC
- Ein von D&H selbst entwickelter und extern gefertigter Mikrochip, in dem das Super-Soft-Drive-Verfahren implementiert ist. In den meisten D&H-Decodern ist der ASIC das Herzstück der Motorsteuerung; neuere Decoder kommen zum Teil ohne separaten ASIC aus und realisieren SSD direkt im Mikrocontroller. Wo ein ASIC vorhanden ist, dient dessen Beschriftung (z. B. „D&H-2 SDH119“) zur Identifikation des Decoders – siehe auch die Identifikationstabelle in den Häufigen Fragen.
- Mikrocontroller
- Ein kleiner Computer-Chip auf dem Decoder, der das Digitalsignal am Gleis empfängt, decodiert und die CV-Einstellungen verwaltet. In den meisten D&H-Decodern arbeitet der Mikrocontroller mit einem ASIC zusammen: Der Mikrocontroller übernimmt die Kommunikation, der ASIC die Motorsteuerung. In neueren Decodern ist der Mikrocontroller leistungsfähig genug, um Super-Soft-Drive selbst zu realisieren – diese Decoder kommen ohne separaten ASIC aus.
- Leiterplatte (Lokplatine)
- Die Elektronikplatine im Fahrzeug, auf der die Schnittstelle für den Decoder sitzt. In vielen Fahrzeugen ist bereits eine Schnittstelle vorhanden – der Decoder wird dann einfach eingesteckt. Bei älteren Fahrzeugen ohne Schnittstelle muss der Decoder direkt an die Kabel des Motors und der Beleuchtung angelötet werden.